Kraus macht Musik | texte
16138
page,page-id-16138,page-template,page-template-full_width,page-template-full_width-php,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-title-hidden,qode-theme-ver-6.1,wpb-js-composer js-comp-ver-4.3.4,vc_responsive

KRAUS MACHT TEXTE

Deine Wortlagerhalle für Wirres und Erhellendes in Wort und Gedanke.
Zum Mitlesen. Zum Nachlesen.
Zum Mitdenken. Zum Dazwischendenken.

„Aufgewacht / den Kopf verdreht / geglaubt dass aus Asche / ein Wunder entsteht / aus Buchstaben Worte / aus Worten ein Weg
– dass es weitergeht”

Alice D.

Nichts geht los
Alles bleibt so wie
immer bloß
Zeit vertreibt sich
gedankenlos
und kein Aufbruch kein Horizont in Sicht

stumpf und lau
mittelmäßig grau

So kommt die Sucht nach Mond
Luzifers Salto Dimensionale
Farben fließen ins Diagonale
unwirklich und ungewohnt
Die Sucht nach Mond
Federleichte Bauten stürzen nieder
Eisbärn singen duschend alte Lieder
begleiten auf dem Flaxoklon
verliern sich in der Sucht nach Mond

Lustverwebt
wenn die Raumwelt ins Innen strebt
wenn der Boden am Abgrund klebt
Es zieht Dich näher:
Das Dunkel pulst und lebt

Niemand hört
was Dich bedrängt und stört

Und nur die Sucht nach Mond
hält den Pegel schiebt den Riegel weiter
wirst von Mal zu Mal nur schwerer breiter
bis Du überkippst es wohnt
Sehnsucht in der Sucht nach Mond
Wände wabern glänzend wie in Zelten
Wer kann in der grauen Welt noch gelten
wenn die Rückkehr sich nicht lohnt
Fallen in die Sucht nach Mond

Und es will Dich es dringt in Dir vor
Leih ihm kein Auge schenk ihm kein Ohr
sonst nimmt es gleich Seele und Leib
Lass Dich nicht fallen – bleib
Wenn Realitäten verschwinden
kannst Du Dich nur ganz an ihn binden

den Mond
Luzifers Salto Dimensionale
Nichts führt mehr zurück in des Reale
den der in dieser Halbwelt wohnt
Fallen immer Fallen in den Mond

Ekstatisch perverse satanische Verse

im Mond
Bodenloses kommt Dir in die Sinne
Hell und grell zerreissen die Beginne
und nichtmal mehr das Flüchten lohnt
Die Sucht nach Mond
und immer enger ziehen sich die Kreise
hängst an Nadeln konsequent reißt leise
der letzte Faden der Dich schont
Sterben in der Sucht nach Mond
nach Mond

Alles was wir tun könn' ist davon zu erzähln

Drei Daumn hoch – es sprudeln die Argumente und die Löcher fliegen hier gleich aus der These
wir heizen Euch wasserdicht ein und zünden die Lunten
Wir berichten jetzt was das wirklich die Wahrheit ist
– und eben deshalb erfunden

Alles was wir tun könn’ ist davon zu erzähln alles was wir tun könn’ ist davon zu erzähln

und die Braut wünscht sich’n Schnitzelbuffet
und „Aber bitte mit Sahne“ als langsamen Walzer
und sie geht zur Band – doch die Band sacht: „Nee, nee
wir spieln hier nur PUNK oder MARSCH oder SALSA

hör uns zu Du kornblumenbleiches MuFuTi-Tabledancegirl
so himmelhochtief wirst Du besungen
Du bist mehr als die Summe Deiner Taille – viel viel mehr
als nur die Phantasie der Vorstadtjungen“

Alles was wir tun könn’ ist davon zu erzähln…

und so wird’s passiern: wir mauerfremden Kinder
wolln alles wissen wofür Ihr Euch noch schämt
und geht ein Abgrund auf gehn wir runter und gucken dahinter
so lange bis der Abgrund abgrundtief gähnt

und wir spieln zwischen Traum und Trauma für ne Verzerrpauschale
auf allen Hochzeiten auf die wir uns stehln
Wirklich wahr ist was wirklich egal ist obs wirklich real ist
Alles was wir tun könn’ ist davon zu erzähln

Ich säße gerne auf Herrn Distelmeyers Couch
und ab und zu in Klein-Melchow
doch wir stehn hier und spieln für die Braut auf in der Nacht:
Macht zum Song was Euch kaputt macht
Macht zum Song was Euch kaputt macht

und Joker schlüpft heimlich aus Kartenspiel
und streicht durch die erwachenden Städte
und er ruft: „Die Leute schlafen doch nicht!“
so gegen halb sechs und ich fall aus dem Bette

und fahr auf Gardinensegel-Lattenrost-Boot
durch Schwaden von Dunst übern Tee
Da gehn Sonnen aus Flax über loderndem Linnen in Brand
und falln in die Straßenschlucht weit über Lee

Und der alte Mann (dürr und mit Pferdefuß)
heißt Schnitter und sagt er sei Luzifers Enkel
Und er wetzt das Messer und schwört er kenne die letzte Gestalt
und das geht mir extrem auf den Senkel

Alles was wir tun könn’ ist davon zu erzähln…

und hinter uns geht die Welt zu Mus
zu Klumpatsch – ein Flächenbrand tilgt unsre Spurn
Nur Joker entflieht und entzieht sich dem Lied
und nichts bleibt und die Zeit funktioniert ohne Uhrn

Alles was wir tun könn’ ist davon zu erzähln…

Und wenn das Laub von den Bäumen die Tümpel verschleiert
dann sieht alles ganz anders aus
und die Braut ist jetzt hot (und außerdem vegan)
und sie schmeißt alle Brautjungfern raus

Und wenn der Anfang sich schließlich ins Ende schlingt
dann – oh dann – werden wir uns immer noch kriegen
denn ich bin der Junge und Du bist das Mädchen
und warum sollten Joker und Braut sich nicht immer noch lieben

Anna Log

Ich fotoshop schon stundenlang mein Selfie damit es mir nahe kommt. Obwohl ich nur mono denken kann laufen die Tweeds asynchron zu Werbung von Handlung unterbrochen, die sich in meinem bewusst-Unterbewussten mit facebook- und mail- und anderem Verkehr kreuzt. Ich folge dem Hashtag #haschtag und frage mich schon seit ein paar Jahren, ob die Sprüche auf den Schultoiletten der Wahrheit nicht immer noch am nächsten warn und ob nicht alles Wissen gefaket war, das nicht dort erworben wurde.

Es ist Sonntagabend. Ich hänge abgefuckt im Wochenendknast, doch seit jetzt wird der Tag wieder kürzer, denn ich entknote die Kassettenbänder und stelle so unsere Playlist wieder her:

Was Du nicht kannst das kann ich auch
Du wirkst seit Jahren schon verbraucht
und immer etwas angefasst
Du riechst nach Nacht und nach Verbot
und was Du trägst ist nicht mehr rot
geschweige denn dass es Dir passt

Doch Du bist stellenweise schön
auch wenn die andern das nicht sehn
die sind nur hip und geil im Sog
Was Du nicht kannst das kann ich auch
ich habe alles weggeraucht
Du bist die Rettung Anna Log

Erzähl Der Welt wie Du Dich fühlst und dass es was zu fühlen gibt
dass alle Farben schwarz und weiß sind wenn man sich am Schluss nicht liebt
und dann erzähl wie wir uns trafen Deine Ahnung Dich betrog
Ich will jetzt wieder mit Dir schlafen – komm und küss mich Anna
komm und küss mich Anna Log

Was Du nicht weißt das weiß ich auch
doch ich seh nichts was Du nicht siehst
ich bin für Schlichtheit schon versaut
Mein retro ist nicht mehr vinyl
und Dein Gewitter in den Wolken
mein Getwitter in der Cloud

Deine Umgebung ist kaputt
Deine Gedanken so von gestern
patiniert und abgewetzt
Doch alles andre ist gefaket
glatt und poliert und das Dahinter
ist durch Spiegelwand ersetzt

Erzähl der Welt wie du Dich fühlst und dass es was zu fühlen gibt
dass alle Farben schwarz und weiß sind wenn man sich am Schluss nicht liebt
Ich habe nichts verstanden seit die Welt sich aus den Angeln hob
und ich bin nur noch halb vorhanden – doch Du trägst mich Anna
doch Du trägst mich Anna Log

Ich hab erzählt wie ich Dich traf und wie das alles überwog
Ich hab geglaubt Du wärst mein Hafen doch das stimmt nicht Anna
doch das stimmt nicht Anna log

Bad Hair Day

Lass uns reinstürmn und all die grandiosen Leute mit Blumn verprügeln
jeden Tag der dazu einläd ein waghalsig wahrhaftig großer zu werden
und dann doch zur Eskalation führt
BAD HAIR DAY
Ich hab beschlossen nie mehr zu schlafen
denn der Umweg ist am größten wenn man weiß wohin man will
und wie es da sein soll und was da passiern soll

Bad Hair Day Bad Hair Day Bad Hair Day
Du bist gut zu mir
Bad Hair Day Bad Hair Day Bad Hair Day
für immer

Und dann lass uns ans Meer fahrn und ein Lagerfeuer machen und
Marshmallows braten und den Rest der Welt ignoriern
denn außer der Versuchung kann ich allem widerstehn
und wie’s weitergeht wissen wir eh nicht
und wenn der Montag die Klingn wetzt:
Lass Dir nicht mehr gefalln was Dir nicht gefällt –
Komm wer tanzt kann nicht buckeln und wir rocken das
klapprige Rad durch und surfen auf Mondstrahln

Bad Hair Day…

Morgen ist wie heute nur bunter
heut wie gestern nur in HD
Komm wir geh’n den Bach hinunter
und werden See
Komm wir geh’n den Bach hinunter
und werden See

Und dann lass uns rausgehn und spieln: splash for cash
und die Nacht um die Ohrn haun und
wenn die ersten Falter an den Gewächsen rütteln
und schrei’n: „Mach die beschissene Blüte auf“
dann drehn wir am Amnesieschalter
und ziehn das an was von wem auch
immer grad da liegt der neben uns pennt
und Franzbrötchen pflastern den Weg in den Morgen
der Nachmittag heißt und ganz merkwürdig dämmert doch

Bad Hair Day…

Das falsche Leben

Beim Jungen vor dem Chore
dyliert ein Lindenberg
und er lässt ihn lichterloh verwirrt

Leben wie im Darkroom
bis der Vorhang fällt
und endlich wird zu Wut was lange gärt

das falsche Leben
verkorkst
zu spät
permanente Simulation von Realität

Wir sitzen in den Fluren
die Wände blättern Schnee
und vorne ist verdammt weit weg von hier

Halt von allen Seiten
der Abgrund butterweich
und unten lauert nichts
es sei denn: wir

das falsche Leben
verkorkst
zu spät
permanente Simulation von Realität

Reiß Löcher in den Boden
zerkratz Dir Dein Gesicht
Ramm den Kopf gegen gläserne Wände sie stürzen
und begraben Dich
Der Muezzin ruft täglich
die Glocken läuten im Turm
von Ahnung zerrissen
beflissen im Wissen
vermisst im Bildersturm

das falsche Leben
verkorkst
zu spät
permanente Simulation von Realität

Die erste Zeit war die beste

Die erste Zeit war die beste
weil das immer so ist
und weil jede Art Hoffnung
noch nicht gebrochen ist

Wenn Dir erst die Leute auf die Schulter klopfen oder in den Magen boxen ist es zu spät
dann sprechen Deine Taten eine Sprache die jeder andre besser als Du selber versteht

Die erste Zeit ist die beste
denn die Zukunft ist groß
und auch wenn hier alles hin ist –
hinterm Stopschild steht: LOS!

Die erste Zeit ist die beste
denn wir starten ab hier
in ein glutrotes Morgen
und dies Morgen sind wir

wenn uns erst die Leute auf die Schultern klopfen wenn wir erstmal drin sind und es irgendwie passt
dann wird jedes Gefühl zur Pose außer zynisch verhohlener eigen-artiger Hass

und dann werden wir lachen
über die die wir mal warn
über den Idealismus
über den Mut und den Wahn

die erste Zeit war die beste –
wenn der Satz für Dich stimmt
dann bist Du so gut wie tot
dann bist Du so tot wie gut
dann bist Du der dem wir egal sind
dann bist Du der dem wir egal sind
der dem wir scheißegal sind
wenn das für Dich stimmt

Gehn ist eine Form von Bleiben

Gehn ist eine Form von Bleiben
Dunkelheit der Grund für Licht
Alle die den Abschied meiden
kennen auch das Bleiben nicht
Alle die nicht hassen können
wissen nicht was Liebe heißt
viele sterben doch ein Leben lang
leichenstarr grau und vereist
Wer nie blind war kann nicht sehn
Wer nicht träumt wird niemals wach
Bleiben ist das Ziel beim Gehen
Ziele folgen Träumen nach

Wir sind oftmals angekommen
wo es nicht mehr weiterging
Ziele die durch Hände rannen
eh was an zu brennen fing
Eh man wagt an sich zu glauben
ist das Leben schon vorbei
ist zu spät – eh was begonnen hat
ist man vogelfrei
Eh die Träumer sich versehen
sind sie wach und mittendrin
Träume sind der Grund zum Gehen
Wege führn zu Zielen hin

Wer nie blind war kann nicht sehen
Wer nicht träumt wird niemals wach
Bleiben ist das Ziel beim Gehen
Ziele folgen Träumen nach

Kopf unter Wasser

Die Welt taumelt zwischen den Gleisen her
und die Nacht ist ein Loch und es hilft nichts mehr
und die Straßen dampfen im Regen
und es kommt dir das Pflaster entgegen
und ich wünschte dass alles wie vorher wär

Fühlst Du Dich nicht wie Kopf unter Wasser
fühlt sich das nicht wie Zeitlupen an
da war unser Plan doch ich bin totmüde wach
und nie geht zu Ende was nicht begann

und ich wach mit mir auf und ich schlaf mit mir ein
und ich schwör dir die Welt und ich brech mich entzwei
Und ich weiß nicht wie lang das schon ist
dass die große Leere mich frisst
und ich schrei doch der Druck auf den Ohren bleibt

Fühlst Du Dich nicht wie Kopf unter Wasser
fühlst Du das nicht dass du das brauchst
Der Kopf ist geplatzt die Enge verschwunden
frei endlich frei – untergetaucht

und die Straßen dampfen im Regen
und es kommt dir das Pflaster entgegen
und ich schrei doch der Druck auf den Ohren bleibt

Fühlst Du Dich nicht wie Kopf unter Wasser
fühlt sich das nicht wie Zeitlupen an

Laufnundfahrn

Die besserern Zeiten kommn die Himmel klarn auf
Es sah so aus wie Scheitern doch das macht mir nichts aus
denn je mehr es bergab geht umso mehr geht’s bergauf
oder was man dafür hält
Ich häng’ am roten Faden der die Irre umgarnt
und setz Fuß vor Fuß und Hand an Hand
Nur beim Geh’n kann ich sehn wie der Weg sich bahnt
und hinter mir zerfällt

Ich war gestern schon wieder erst heute im Bett
ich hab Dir alles gesagt und nichts erzählt
und ich weiß nicht wie’s ist aber so war es nie seit Jahrn
ich muss
laufnundfahrn
laufnundfahrn
laufnundfahrn

Möbel machen einsam und ich schmeiß sie aus der Bude
weil ‘ne Matratze für uns reicht und sich was ändern muss
wir haben viel Spaß und sie sieht aus wie eine Blume
und sie verlinkt mich bei fast jedem Kuss
und wir lieben und streiten und lachen und machen
und retro heißt ab morgen Avantgarde
und wir sitzen lebenslänglich in Cafés
vor Latte und Salat

Ich war …

Schon unsre Eltern hatten’n Postpunkgehör
und wir sind so behütet und trotzdem leer
vielleicht könnten wir anders und wolln nicht mehr
oder umgekehrt
und die Tiefe wird flacher und Pop aus unsern Liedern
und wir ham nur gelernt uns anzubiedern
wirf es mir vor und ich hab nichts zu erwidern
dass es besser wird

Ich war…

Ich bin so verzweifelt und das Schlimmste ist
dass die Verzweiflung im besten Fall komisch ist
denn Du bist die schöne Andere und schaumgeborn aus Gischt
Du warst immer umgedreht und mit dem Hintergrund vermischt
jetzt seh ich Dich jetzt seh ich Dich oh lass mich nicht allein
sie haben mich zum Frosch gemacht nur Du kannst mich befrei’n
die Prinzenrollmaschine hat so oft schon versagt
sie macht aus Fröschen Schenkel und sie streikt am Vormittag

und der Wind läuft Sturm dass die Wolken umfalln
und mit voller Wucht auf den Bürgersteig knalln
doch selbst benebelt bist Du noch die Schönste von alln
und ich hab Dich nicht gefragt

und ich hab mich verirrt in dem ganzen Drumrum
und die Hitze ist auch mit der Nacht verklungn                                  und dann hat Nora vom Pony des Zorns gesungn                                und sich verschwendet und entfacht

Und die Straßen leern sich und es wird früh
und die dunstige Sonne zwingt mich in die Knie
und ich weiß nicht wie’s ist aber so war es nie
und wir nicht wie wir warn
ich muss
laufnundfahrn laufnundfahrn laufnundfahrn
laufnundfahrn laufnundfahrn laufnundfahrn
laufnundfahrn laufnundfahrn laufnundfahrn

Was ist das hier für ne Truppe und wo ist der Rest der Welt
die Zeit hat mir „Peng Du bist alt“ gemailt
doch die Spiegel die spiegeln nie was noch fehlt –
nur altes Licht
und die ollen Jungfern die schrill unsre Lieben belächeln
und Wetten abschließen woran sie zerbrechen:
Die werden sich grausam und gnadenlos rächen
doch das kümmert und nicht
das kümmert uns nicht

Ich war…

Mantje Timpe Te

“Hier stehe ich ich kann nichts andres – nich as ick woll will –
wenn ich auf das Ende seh: Fahre Schönheit prompt von hinnen – weh uns Ilsebill – Mantje Timpe Te

Ich bin über die Nord- und durch den Ostsee gegangn
Ich hab Butterfliegen mit bloßen Händen gefangn
Doch wir brauchen Bed&Breakfast und jede Art von List
denn alles soll sich ändern was geschehn ist –
Buttje in de See”
Mantje Timpe Te

All ihr verflossenen Geliebten wenn ihr aus dem Brünnlein trinkt
bleibt ihr forever young
An jeder Ecke drehn Dir Flundern oder ähnliches Getier
kleingedrucktes Zeug und Wünsche an

Sag Ilsebill: “Das geht schon so my nasty Cinderella
Wir dancen in the dark und gehn zum Lachen in den Keller
Dein gleichschenkliges Dreieck ist ganz aus Fleisch und Blut –
Ich schwärm für Dich ich wünsch uns nix und alles wird gut
so wahr ich hier steh'”

Mantje Timpe Te
und es dröhn’ die Leader:
Farewell my fairy fay
Dreifach Fluch über uns es bleibt nichts ungeschehn
Wer zu weit gegangen ist muss weitergehn

Du sollst keine andren Spötter haben neben mir
said the joker to the thief
Ich sach: Jedem seinen Weg und es ist nicht jedermanns Art
die Zukunft kielzuholen für die Gegenwart

Am Anfang war das Wort: I want it all I want it now
Kotzlüh – da prügeln Schusterjungn die Hurenkinder blau
Die Graffitti auf den Segeln schrein dauernd: OZ IN SICHT
doch ich glaub nicht an faulen Zauber und ich antworte nicht
wenn ich sie seh

Mantje Timpe Te
und es dröhn’ die Leader:
Farewell my fairy fay
Dreifach Fluch über die die im Nevermoor stehn
Wer zu weit gegangen ist muss weitergehn

“Hier stehe ich ich kann nichts andres – nich as ick woll will –
wenn ich auf das Ende seh:
Fahre Schönheit prompt von hinnen – weh uns Ilsebill –
Mantje Timpe Te”

Morgenland

Was nicht hier ist ist nirgendwo
Was nicht jetzt ist wird niemals sein
Die schlimmste Art Dich zu vermissen ist direkt an Deiner Seite zu sein

Es ist ja nicht was wir uns versprochen habn
es ist ja das was davon übrig bleibt

Und wir liegen auf Dächern rum
und spürn dass Sommer ist
und merken dass Herbst wird
und dann hocken wir schneeblind
noch immer auf Dächern rum
und glauben dass Sommer wär
in diesem Glorreich aus Erinnerung
in diesem Tal aus Sentiment das hier beginnt
und sind am traurigsten wenn wir am glücklichsten sind
und sind am traurigsten wenn wir am glücklichsten sind

Hast du ja gesagt
hab ich ja gemeint
hab ich jaja jahrelang verneint
Hast du ja gewusst
hab ich ja geahnt
sind uns ja die Jahre weggerannt

Hast du ja gedacht
hab ich nicht gesagt
hab ich jajajahrelang vertagt
es ist ja zu spät
es ist ja vorbei
es wird ja ja jahrelang so sein

Begreifst du erst wie schön du warst
wenn du alt geworden bist und hast
Du  auch alle Lichter schon abgebrannt:
wir treffen uns im Morgenland

Nimmermeer

then the piper played river deep mountain laid

then the jester stayed

t’wards the night

beyond the day

where’s your voice

where’s your speech

are you lonesome out there

drifting on

the Nimmermeer

drifting on

the Nimmermeer

Oversexed & underfucked

Kleines wo wir hinwolln vögelt Jesus mit Mohammed
und Gott ist kein Mann sondern allerhöchstens Hermaphrodit
Es ist doch egal so egal ob Du’n Jung’n oder’n Mädchen liebst
ich sach: mehr Farbe mehr Leben mehr Exstase mehr Beat

und ich geh mit mein’ Problemn zur Politesse
die hat viel zu enge Leggings an
und ich kann nur starrn und nich mehr denken
„sehn se“ sacht se „da fängts an“
und wir gehn mit unsrer Sucht zum Psychologen
und der fragt uns: „seid ihr eigentlich beknackt?
Bei Euch liegt’s ja noch nicht mal an den Drogen
ich weiß was ihr habt:
Oversexed & underfucked“

Pass auf Schnegge wo ich herkomm hängt das Glück nicht vom Wetter ab
und meine Neurosen steh’n aufm ganz anderen Blatt
Hallo – wir sind gar nicht Papst: wir sind jung und frei
Beim Zölibarte des Propheten – was der wohl mit seinen Wünschen macht?

und ich bade Deine Brust in Marmelade
und ich leck sie voll Verlangen ab
sie zerplatzt und wird zu Seifenblasen – schade…
oversexed oversexed
und ich dreh mich um und seh Dich weiterlaufen
und ich brenn für dich den Blumenladen ab
komm wir woll’n in Melodien ersaufen
und schreib’n aufs Grab:
oversexed & underfucked

ich weiß Du weißt was ich denke
Du weißt ich weiß was Du brauchst
doch die Antwort löst sich auf in Rauch

und die Polizei sagt: wir sind zu nicht ständig
und sie drehen ab und rufen: „schaun’s
die Welt ist viel zu groß und viel zu wendig
es bleibt alles eine Frage des Vertrauns!“
und ich schreie meine Lust in alle Straßen
und ich seh die ganzen  Frauen immer nackt
und ich übermal die Stadt mit bunter Farbe:
oversexed & underfucked

Plan A

Noch ist unsre Zeit unendlich noch wirken wir unverbraucht
doch kein Rausch kann ewig halten alles ist mal aufgeraucht
das Glück liegt in der Kiste bei dem ganzen andern Mist im Schrank
es war mal teuer und wir sind knietief im Dispo

Lass es uns nochmal probiern solang wir noch die Jüngsten sind
wenn erst die Zwanziger in Schutt und Asche geh’n wer uns wohl dann noch nimmt
Jetzt ist unsre letzte Chance und das ist völlig ernst gemeint
weil durch die Reste unsrer Party schon die Fratze des Bedauerns scheint:
Gut ist das Gegenteil von gut gemeint

Plan A will nicht klappen
Plan B ist nicht gut genug
Plan C noch nicht geplant Plan D ist be-
graben unter Plan E wie Ernstfall und der tritt nie ein
es sollten alle Pläne wie Plan A sein

du stehst am Vordereingang Schmiere und ich stürm den Kassenraum
ich weiß wo der Alarmknopf ist doch wenn er losgeht stört das kaum
Die Bullen brauchen viel zu lange um bei uns im Dorf zu sein
und wenn wir richtig Grenze rasen holt uns so schnell keiner ein

Plan A klappt nicht
Plan B ist nicht gut genug
Plan C noch nicht geplant Plan D ist be-
schissen Plan E ist der Ernstfall und tritt nicht ein
wie kann man nur begraben unter Plänen so verplant sein

Billie der Kassierer kennt uns und er kann uns gut verstehn
lange hatte er den Plan selbst mit der Kohle durchzugehn
die Omma die am Schalter steht und die auf neuen Dorfklatsch brennt
beschreibt uns dann als Zeugin so dass keiner uns danach erkennt

Den Flug nach Honolulu von Paris aus hab ich schon gebucht
und wenn wir erstmal da sind werden wir von niemand mehr gesucht
An Bord bestell ich uns Champagner und für alle andern Sekt
du lachst im Schlaf sagst du zu mir und hast mich damit aufgeweckt

Plan A klappt nicht
Plan B ist nicht gut genug
Plan C hab ich vergessen zu behalten
Plan D ist begraben unter Plan E wie Ernstfall
doch Plan F sagt dass der Ernstfall leider leider Fake ist
Plan G wie geil funktioniert nicht
Plan H, I und J sind begraben unter
Plan K wie kaufen aber das ist teuer
Plan L,M,N und O warn die wie ich an Geld komm doch Plan P sagt Pustekuchen
versuchs mal mit
Plan Q, R, S oder T wie Traumtänzer, Trottel und Tu-Nicht-Gut
Plan U war was für Unterbelichtete,
Plan V und W warn irgendne Erfindung fürs Volk
Plan X war für Tag X gemacht wenn alles gutgeht und Plan Y
Plan Z aus dem Hut zieht
und darum bleibt nur Plan A…

Tanzn

Mein Leben hat Schlagseite – suche Gegengewicht und’n Grund mich zu drehn
ich bin so zappelig und meine Füße bleiben von allein nich aufm Boden stehn
denn verwelken alleine ist noch keine Leistung und mit uns is grad was durchgegangn
TANZN IS’N SENKRECHTER AUSDRUCK FÜR’N WAAGERECHTES VERLANGN
TANZN IS’N SENKRECHTER AUSDRUCK FÜR’N WAAGERECHTES VERLANGN

ich bin seit Tagen so nervös alles kribbelt schon – ich fahr aus Haut und Haarn
kann mich gar nicht entsinnen dass die Tage mal schwüler und drückender warn
es is wie ein NAchglühn von Sucht wie Intimwork (zu weit und noch weiter gegangn)
TANZN IS’N SENKRECHTER AUSDRUCK FÜR’N WAAGERECHTES VERLANGN
TANZN IS’N SENKRECHTER AUSDRUCK FÜR’N WAAGERECHTES VERLANGN

verschwitzt und klebrig orakeln die Körper und die zuckenden Arme und Beine wogen wie Meer
und die Welln spüln Dich weg überfluten das Hirn putschen auf saugen leer

ich kenn alle dummen Sprüche jede dämliche Wendung jeden falschen Alarm
Understatement heißt nur: Fünf Minuten Dummstelln kann Dir gut ne Stunde Arbeit ersparn
solange ich mehr lebendig als tot bin muss ich durchdrehn es ist wie ein Zwang
TANZN IS’N SENKRECHTER AUSDRUCK FÜR’N WAAGERECHTES VERLANGN
TANZN IS’N SENKRECHTER AUSDRUCK FÜR’N WAAGERECHTES VERLANGN

Manche drehn durch – Manche stehn still – manchen stehn alle Haare zu Berge –
wie Stromschlag – wie Stromschlag

TANZN IS’N SENKRECHTER AUSDRUCK FÜR’N WAAGERECHTES VERLANGN
TANZN IS’N SENKRECHTER AUSDRUCK FÜR’N WAAGERECHTES VERLANGN

kraus_texte_klein_2
GEHN IST EINE FORM VON BLEIBEN

Gehn ist eine Form von Bleiben
Dunkelheit der Grund für Licht
Alle die den Abschied meiden
kennen auch das Bleiben nicht
Alle die nicht hassen können
wissen nicht was Liebe heißt
viele sterben doch ein Leben lang
leichenstarr grau und vereist
Wer nie blind war kann nicht sehn
Wer nicht träumt wird niemals wach
Bleiben ist das Ziel beim Gehen
Ziele folgen Träumen nach

ALLES WAS WIR TUN KÖNN’ IST DAVON ZU ERZÄHLN